Trauma und Traumafolgestörungen
Unter einem psychischen Trauma versteht man eine seelische Verletzung die durch ein extrem belastendes Ereignis wie zum Beispiel Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Vergewaltigungen, Kriegserlebnisse, Beziehungsverluste und -abbrüche durch Trennung, Todesfälle etc. hervorgerufen wird. Sie treffen sowohl Kinder als auch Erwachsene völlig unvorbereitet und können das Gefühl von Sicherheit, Vertrauen und Kontrolle zutiefst erschüttern.
Trauma als unverarbeitete seelische Verletzung
Nicht jedes Traumaereignis bedingt Folgeerscheinungen. Während manche Menschen nach einem traumatischen Ereignis mit kurzfristigen Belastungsreaktionen zu kämpfen haben, entwickeln andere eine sogenannte Traumafolgestörung. Diese Störungen sind komplex und können weitreichende Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit, Beziehungen und die allgemeine Lebensqualität haben. Eine rechtzeitige Behandlung mit traumatherapeutischen Verfahren ist entscheidend für den Verlauf der Erkrankung. Unbehandelt kann es zur Chronifizierung und zu Folgeerkrankungen kommen. Traumafolgestörungen erhöhen das Risiko für psychische Erkrankungen wie Suchterkrankungen, Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen und körperliche Beschwerden.
Traumafolgestörungen
Traumafolgestörungen manifestieren sich in verschiedenen Formen, abhängig von der Art des Traumas und der individuellen Resilienz bzw. den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die bekannteste und am häufigsten diagnostizierte Form ist die Posttraumatische Belastungsstörung.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Die PTBS ist eine psychische Erkrankung, die nach dem Erleben eines Ereignisses von außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmaß auftreten kann.
Typische Symptome umfassen:
• Wiedererleben: Flashbacks, Albträume oder aufdringliche Gedanken an das Trauma, bei denen sich die Person fühlt, als würde sie das Ereignis erneut durchleben.
• Vermeidung: Aktives Vermeiden von allem, was an das Trauma erinnert, wie Orte, Personen, Gespräche oder Aktivitäten.
• Negative Veränderungen in Gedanken und Stimmung: Anhaltende negative Überzeugungen über sich selbst, andere oder die Welt; Interessensverlust an ehemals angenehmen Aktivitäten; Gefühle der Abgetrenntheit und Schwierigkeiten, positive Emotionen zu empfinden.
• Hyperarousal (Übererregung): Ständige Wachsamkeit, leichte Schreckreaktion, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.
Die PTBS kann sich in einer akuten Form (Symptome bis zu 3 Monate), einer chronischen Form (Symptome länger als 3 Monate) oder mit verzögertem Beginn (Symptome treten erst 6 Monate oder später nach dem Trauma auf) manifestieren.
Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (K-PTBS)
Die K-PTBS entwickelt sich oft nach lang anhaltenden, wiederholten Traumatisierungen, die häufig in der Kindheit stattfinden und mit zwischenmenschlicher Gewalt oder extremer Vernachlässigung einhergehen. Im Gegensatz zur "einfachen" PTBS, die sich oft auf ein einzelnes Ereignis bezieht, führt die K-PTBS zu weitreichenderen und tieferen Beeinträchtigungen.
Zusätzliche Merkmale der K-PTBS sind:
• Störung der Emotionsregulation: Schwierigkeiten, intensive emotionale Zustände zu kontrollieren, was zu Wutausbrüchen, Panikattacken oder dissoziativen Zuständen führen kann.
• Negative Selbstwahrnehmung: Tiefe Gefühle von Scham, Schuld, Wertlosigkeit und das Gefühl, unfähig oder anders als andere zu sein.
• Beziehungsprobleme: Schwierigkeiten, stabile und gesunde Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten, oft geprägt von Misstrauen, Angst vor Abhängigkeit oder Ablehnung.
• Dissoziative Symptome: Das Gefühl, vom eigenen Körper oder den eigenen Gedanken getrennt zu sein, Gedächtnislücken oder eine verzerrte Realitätswahrnehmung.
• Somatische Beschwerden: Chronische Schmerzen, Magen-Darm-Probleme oder andere körperliche Symptome ohne erkennbare medizinische Ursache.
Akute Belastungsreaktion (ABS)
Die ABS tritt unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis auf und dauert in der Regel nicht länger als einen Monat. Die Symptome ähneln denen der PTBS, sind aber zeitlich begrenzt. Dazu gehören Angstsymptome, sozialer Rückzug, Einengung der Aufmerksamkeit, Desorientierung, Aggression, Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit, unangemessene Überaktivität und außergewöhnliche Trauer. Wenn die Symptome über einen Monat hinaus anhalten, kann sich eine PTBS entwickeln.
Anpassungsstörungen
Anpassungsstörungen sind weniger schwerwiegend als PTBS, können aber ebenfalls nach belastenden Lebensereignissen auftreten, die nicht unbedingt als Trauma im engeren Sinne gelten müssen (z.B. Scheidung, Jobverlust, schwere körperliche Krankheit, Trauerfall). Die Reaktionen auf das Ereignis sind dysfunktional und beeinträchtigen das soziale oder berufliche Funktionieren. Die Symptomatik dauert meist nicht länger als 6 Monate, im Einzelfall bis zu zwei Jahre.
Meine Behandlungsmethoden
Die neurobiologische Forschung hat aufgezeigt, wie stark Trauma den Körper und jene Gehirnareale beeinflusst, die unterhalb der Ebene von Verstehen-können und Sprache liegen. Daher sind Traumata und seine Auswirkungen oft „unaussprechlich“ oder nur schwer in Worte zu fassen. Sowohl Psychodrama als auch Brainspotting halten dafür wunderbare Werkzeuge bereit und können je nach Ihren individuellen Bedürfnissen eingesetzt oder kombiniert werden, um eine umfassende Heilung und Integration traumatischer Erfahrungen zu ermöglichen.
Traumatherapie mit Psychodrama
Im Fokus meiner Arbeitsweise steht die Wiedererlangung psychischer Stabilität und das Erfahren einer sicheren Bindung durch eine tragfähige therapeutische Beziehung, die Zuverlässigkeit, Zugewandtheit, Transparenz und Schutz bietet. Eine Traumaexposition erachte ich nicht als zwingend nötig. Mit meinen handlungs- und ressourcenorientierten Techniken des Psychodramas biete ich Ihnen viele unterschiedliche Möglichkeiten für einen nonverbalen oder symbolischen Ausdruck an. Auf diese Weise können Sie die physiologischen, emotionalen, kognitiven, sozialen und existenziellen Folgen von dem Erlebten oft einfacher verarbeiten als es nur über das Gespräch möglich wäre. Das Ziel der psychodramatischen Traumatherapie ist es, die durch die traumatisierenden Erfahrungen verschütteten Rollen zu reaktivieren und für die Alltagsbewältigung wieder verfügbar zu machen. In einem geschützten Rahmen können Sie aktiv neue Handlungsmuster erproben, dysfunktionale Beziehungsmuster verändern und durch korrigierende emotionale Erfahrungen die eigene Selbstwirksamkeit zurückzugewinnen.
Traumatherapie mit Brainspotting
Neben dem handlungsorientierten Psychodrama wende ich begleitend auch die körperorientierte und neurophysiologische Methode Brainspotting an. Brainspotting ermöglicht über die Augenposition ("Brainspot") einen direkten Zugang zu tieferen, subkortikalen Hirnregionen, in denen traumatische Erfahrungen „eingefroren“ sind. Über das visuelle System und die damit verbundene Körperwahrnehmung können tiefe neurophysiologische Prozesse der Traumaverarbeitung in Gang gesetzt werden und die Selbstheilungskräfte des Gehirns werden aktiviert. Da das Trauma für den Heilerfolg nicht detailliert nacherzählt werden muss, minimiert die Methode das Risiko einer Retraumatisierung erheblich. Dadurch erweist sich Brainspotting als besonders effektiv bei komplexen Traumata - emotionale und körperliche Belastungen werden spürbar leichter oder lösen sich sogar ganz auf.
13.05.2026